Wohnkomfort als Schlüssel zur Energiewende im Gebäudebestand

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Till Reine ist Leiter Public Affairs bei der VELUX Deutschland GmbH
Foto: Velux Deutschland GmbH

Velux Healthy Homes Barometer 2016 mit neuen Erkenntnissen zu Verhalten und Bedürfnissen der Bewohner

Hamburg / Berlin, 31. Mai 2016. Ein für gut befundener Gebäudezustand und ein geringes Bewusstsein für den Energieverbrauch des eigenen Zuhauses verhindern eine Mobilisierung breiter Bevölkerungsschichten für energetisch motivierte Sanierungen. Dies ist ein Ergebnis des diesjährigen Velux Healthy Homes Barometers. Die Studie zeigt, dass für die Menschen in Deutschland die Steigerung des Wohlbefindens in ihrem Zuhause der wichtigste Grund zur Renovierung wäre. Politik, Planer und Berater müssen deshalb das Gebäude als ein ganzheitliches System begreifen und die Anforderungen an die Energieeffizienz mit dem Anspruch der Bewohner an ein komfortables Wohnumfeld in Einklang bringen, wenn die Energiewende gelingen soll.

Der Gebäudebereich ist in den Mittelpunkt der Klimaschutzpolitik gerückt und spielt eine Schlüsselrolle in der Energiewende – denn Gebäude sind in Deutschland für rund 35 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs verantwortlich. Insbesondere der Gebäudebestand ist zu großen Teilen nicht energieeffizient. Doch trotz aller politischen Bemühungen stockt die notwendige energetische Sanierung und die privaten Investitionen sind rückläufig. Ein möglicher Grund hierfür könnte die Tatsache sein, dass die Deutschen mit ihrem Wohnumfeld überdurchschnittlich zufrieden sind und wenig Renovierungsbedarf verspüren. Das zeigt das diesjährige Velux Healthy Homes Barometer, in dessen Rahmen insgesamt 14.000 Europäer in 14 Ländern zu Gesundheit, Umweltauswirkungen und Energieverbrauch ihres Zuhauses befragt wurden. Gleichzeitig hat die Untersuchung ergeben, dass die Deutschen durchaus große Verbesserungspotenziale bei ihren Wohnbedingungen sehen und bereit sind, insbesondere in den Komfort ihrer Wohnungen und Häuser zu investieren.

Die Studie zeigt, dass die Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens für die Befragten der oberste Beweggrund wäre, in eine Renovierung zu investieren. Erst danach folgen die Reduzierung der Energiekosten, eine Verbesserung der Innenraumluftqualität und eine bessere Tageslichtversorgung. Aber auch wenn 78 Prozent der Deutschen angeben, dass es ihnen sehr wichtig wäre, im Falle einer Renovierung Energiekosten einzusparen, ist der Wunsch, Kosten zu sparen, nicht gleichzusetzen mit einer Bereitschaft zur Renovierung. Denn einer Energiekosteneinsparung stehen immer entsprechende Investitionskosten gegenüber. Klimaschutz und Energiekosten sind deshalb alleine ohne Berücksichtigung von Komfortbedürfnisse keine ausreichende Triebfeder für energetische Sanierungen. „Um die Investitionsbereitschaft der Menschen für Modernisierung und energetische Sanierungen zu erhöhen, müssen wir zunächst besser verstehen, was gute Wohnbedingungen für Hausbesitzer, Vermieter und Bewohner bedeuten und welche Wohnfaktoren den Menschen wichtig sind“, sagt Till Reine, Leiter Public Affairs, Velux Deutschland GmbH.

Deshalb hat Velux mit dem Healthy Homes Barometer 2016 den Versuch unternommen, eine belastbare Datenbasis zum physischen, mentalen und sozialen Wohlbefinden beim Wohnen in Deutschland zu erheben. Damit möchte Velux dazu beitragen, ein Verständnis und Bewusstsein für gute Wohnbedingungen zu entwickeln, um so zusammen mit Politikern, Bauplanern, Gebäudeberatern und Bewohnern in Deutschland den Weg zu gesunden, komfortablen und energieeffizienten Gebäuden der Zukunft zu beschreiten.

„Nur wenn es uns gelingt, das Gebäude als ein ganzheitliches System zu verstehen und Anforderungen an die Energieeffizienz mit den Wohnansprüchen der Bewohner in Einklang zu bringen, kann ein klimaneutraler Gebäudebestand erreicht werden“, fügt Till Reine hinzu.

Das deutsche Healthy Homes Barometer 2016 steht unter folgendem Link zum Download bereit: www.velux.de/hhb2016

Fünf Fragen zum Healthy Homes Barometer an Till Reine, Leiter Public Affairs, Velux Deutschland GmbH.

Frage: Wie ist Velux auf die Idee gekommen, jährlich ein Healthy Homes Barometer durchzuführen?

Reine: Velux hat innerhalb von 10 Jahren über 20 Demo-Häuser in ganz Europa gebaut und getestet. Mit unseren ModelHome 2020 Wohnexperimenten haben wir gezeigt, dass gute Wohnbedingungen mit höchsten Ansprüchen an Energieeffizienz einhergehen: Die Häuser genügen bereits heute den voraussichtlichen Energiestandards von 2020 und bieten den Bewohnern gleichzeitig höchste Wohnqualität, indem sie die natürlichen Elemente Licht und Luft in den Mittelpunkt stellen. Die wissenschaftliche Begleitung der in den Modellhäusern lebenden Testfamilien analysierte sowohl das Nutzerverhalten als auch das Wohn- und Energiekonzept. Um die daraus erhaltenen Ergebnisse verallgemeinern zu können, startete Velux das europaweite Healthy Homes Barometer.

Frage: Die Vision sind energieeffiziente, komfortable und gesunde Wohngebäude – ist das auch im Bestand umsetzbar?

Reine: Ja, und das sogar kosteneffizient. Unter dem Namen RenovActive führt Velux derzeit in Brüssel ein ganzheitliches Sanierungsprojekt im sozialen Wohnungsbau durch, das den Ansprüchen von Bewohnern, Klimaschutz, Energieeffizienz und vor allem auch der Bezahlbarkeit gerecht wird. Es wurde mit den Budgetvorgaben des sozialen Wohnungsbaus durchgeführt. Seit der Eröffnung vor wenigen Tagen ist die Doppelhaushälfte nun ein Jahr lang der Öffentlichkeit zugänglich, bevor eine Testfamilie einzieht. Mit dem Projekt zeigen wir die finanzielle und technische Skalierbarkeit von Sanierungen, die Energieeffizienz und Wohnqualität verbinden.
Mehr zum RenovActive Projekt unter http://renovactive.velux.be.

Frage: Was sind die wichtigsten Ergebnisse des Healthy Homes Barometers 2016? Was hat Sie überrascht?

Reine: Unsere Umfrage hat ergeben, dass die Menschen in Deutschland bei vielen untersuchten Wohnfaktoren vom allgemeinen Wohlbefinden über die Tageslichtsituation bis zum Raumklima subjektiv sehr zufrieden sind. Gleichzeitig sehen sie noch Luft nach oben und sind bereit, in Verbesserungen zu investieren. Überrascht hat mich, dass nur etwas mehr als jeder Dritte (35 Prozent) sich Gedanken über einen zu hohen Energieverbrauch seines Zuhauses macht und nur 45 Prozent der Befragten Wert auf die Reduzierung der Umweltauswirkungen seines Hauses oder seiner Wohnung legt. Das zeigt uns, dass wir andere Ansätze finden müssen, um einer breiten Masse die Notwendigkeit von Gebäudesanierungen nahezubringen.

Frage: Wie kann gutes Wohnen in Zukunft gesichert werden?

Reine: Um das von der Bundesregierung ausgerufene Mammutprojekt eines nahezu klimaneutralen Gebäudebestands bis 2050 zu schaffen, ist es klar, dass die Eigentümer und Bewohner von Gebäuden einen Beitrag leisten müssen. Die Ergebnisse des Healthy Homes Barometers zeigen jedoch, dass die Aussicht, durch eine Sanierung Energie einzusparen, für die meisten Menschen als Motivationsfaktor nicht ausreicht. Deshalb glauben wir, dass das in der Studie belegte Bedürfnis nach mehr Wohnkomfort und -qualität die nötigen Anreize setzt, um Menschen für Sanierungen und damit auch für energieeffiziente Häuser zu begeistern

Frage: Was möchten Sie Politikern mit auf den Weg geben, die für die Gebäude der Zukunft die Rahmenbedingungen setzen?

Reine: Der Schlüssel zur Energiewende im Gebäudebestand ist ein ganzheitliches Verständnis von komfortablen, gesunden und energieeffizienten Gebäuden. Wir brauchen hier eine gute, verantwortungsvolle Balance anstatt einer einseitigen Überdrehung ausschließlich der energetischen Anforderungen. In der Bau- und Förderpolitik müssen daher auch Programme zum Erhalt der Wohnqualität und Wohngesundheit implementiert werden. Zudem werden Konzepte für eine umfassende und qualifizierte Gebäudeberatung mit Blick auf Energie-, Tageslicht- und Belüftungskonzept gebraucht. Denn nur Häuser, die gut geplant sind mit Blick auf eine Balance aus Energie, Umwelt und Komfort, sind ökologisch nachhaltig, und nachhaltig wertvoll.

Grafiken: Velux Deutschland GmbH

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