Die Burgruine Hardenburg – Stahltreppen erschließen die Festung

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Die Ursprünge der mächtigen Festungsanlage liegen im frühen 13. Jahrhundert, doch von der mittelalterlichen Hardenburg blieb nach zahlreichen Um- und Anbauten über die Jahrhunderte nicht viel übrig. So zeigt sich die Ruine westlich von Bad Dürkheim, am Rande des Pfälzer Waldes, als eindrucksvolles Konglomerat zwischen Festung und Schloss: Ein Bollwerk nach Westen und mehrere Rundtürme zeugen von der Ausbildung zur wehrhaften Residenz im 16. Jahrhundert, von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden blieben zumeist nur Keller und Umfassungsmauern bestehen.

Um Besuchern des imposanten Bauwerks eine Orientierung zu ermöglichen entstanden Räume für ein Informationszentrum. Eine bündig im Boden des Raums versenkte Glasscheibe leitet das Tageslicht, das durch das kreisrunde Oberlicht eindringt, weiter in den darunter liegenden, tiefen (frei gegrabenen) Turmraum. Auch dieser beherbergt einige Ausstellungsstücke. Besonders erlebbar wird er über eine dreifach gewundene, rostbraune Stahl-Spindeltreppe, mit anschließender Galerie, die von der neuen Betondecke abgehängt ist. Wie eine Skulptur prägt die Treppe den Raum. Die Brüstungen von Treppe und Galerie aus Stahl sind geschlossen, die raue, widerstandsfähige und farblich changierende Oberfläche ergänzt die unregelmäßig zerklüfteten, stellenweise illuminierten Turmwände auf charmante Art. Die Stufen sind mit Lochkragenblechen ebenfalls in rostfarbener Oberfläche gehalten. Unterhalb des Geländers sorgt ein Lichtband für Orientierung in diesem relativ düsteren, nach außen weitgehend abgeschlossenen Turmraum. Technisch ist die Spindeltreppe mit einem Durchmesser von 2300 mm und 44 Steigungen als geschweißte Konstruktion aufgebaut. An das Spindelrohr 355/10mm wurden Lochkragenblechtritte des Fabrikats „Graepel Rund F“ in einen Flachstahlrahmen eingefasst und angeschweißt. Als Geländer dient ein brüstungshohes an die Stufen angeschweißtes gebogenes Stahlblech der Stärke 6 mm mit oberem L-förmigen Abschluss als Handlauf. Das nach unten offene L-Profil nimmt eine LED-Leiste als Beleuchtungselement auf. Im Spindelrohr sind zusätzlich an jeder 5. Stufe punktförmige Strahler als Stufenbeleuchtung eingelassen. Die Treppe besitzt zwei Zwischenpodeste als Ruhepodeste und schließt über ein Austrittspodest an eine bogenförmige Galerie an. Diese Galerie mit einer Größe von ca. 8,50 m Länge und 1,90 m Breite besteht aus beidseitigen brüstungshohen Kastenträgern mit einer Gesamtstärke von 60 mm. Diese sind aus QR-Fachwerkträgern mit Stahlblechbeplankung konstruiert. Die Kastenträger sind punktuell an 7 Stellen an einbetonierte Anschlussplatten der darüber liegenden Stahlbetondecke über Zugstäbe abgehängt. Horizontal sorgt ein zusätzlicher Stahlträger zwischen Spindelrohr und Turmwand für Stabilität. Den oberen Abschluss der Brüstungen bildet wiederum ein L-förmiger Handlauf mit LED-Unterleuchtung. Als Bodenbelag sind auf eine Rippenkonstruktion entsprechend den Trittstufen Graepel Lochkragenblechpaneele verlegt.

Ursprünglich sollte die gesamte Konstruktion aus Cortenstahl mit Rostoberfläche bestehen. Zum einen sind jedoch nicht alle Bauteile aus Cortenstahl erhältlich, zum anderen steht die Treppe innerhalb eines relativ trockenen Raums, da für die geplanten Ausstellungen keine allzu hohe Luftfeuchtigkeit zulässig ist. Die Rostbildung hätte also künstlich durch eine Oberflächenbehandlung mit Säure erfolgen müssen. Die erschien problematisch, daher wurde eine Lackierung in „Rostfarbe“ angestrebt. Nach mehreren Bemusterungen wurde durch eine Eisenglimmer-Lackmischung der Firma Pharmol und entsprechendes Aufbringen im Spritzverfahren der gewünschte optische Effekt nahezu perfekt erreicht. Zusätzlich ergibt sich ein hervorragender Korrosionsschutz. Eine große Herausforderung war die Montage, insbesondere die Einbringung der Bauteile in das innere des Turms durch die die wenigen relativ kleinen Zugangsmöglichkeiten. Oberhalb des Empfangs schließt eine begehbare Aussichtsplattform das ergänzte Bauwerk ab. Sie ist Anfangs- oder Endpunkt des vielfältigen, stellenweise labyrinthischen Rundgangs durch die Ruine.

Eine weitere Treppe in der Materialität der Spindeltreppe, aber mit geradem Lauf und Podest, erschließt einen Wehrgang im Außenbereich. Diese Treppe ist geradläufig mit 18 Steigungen, einer Laufbreite von 1,00 m und einem 4,00 m langen Austrittspodest. Als tragendes Element fungieren brüstungshohe Stahlblechwangen der Stärke 15 mm mit L-förmigem oberem Handlaufabschluss. Die Lochkragenblechstufen wurden in einen Flachstahlrahmen gefasst und zwischen den Wangen eingeschweißt. Aufgrund der Lage der Treppe im Außenbereich erfolgte zusätzlich eine Feuerverzinkung aller Stahlteile vor der Lackierung. Die Planung der Treppenanlagen erfolgte in genauer Abstimmung mit dem planenden Architekturbüro und dem Bauherren, der Ablauf vor Ort wurde mit der Bauleitung koordiniert.

Architekten: Helmut Riemann Architekten, Lübeck
Bauherr: Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) Rheinland-Pfalz, Niederlassung Landau
Fertigstellung: 2012
Standort: Bad Dürkheim, Ortsteil Hardenburg

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