Nach der Messe Köln entdecken

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Auf der DACH+HOLZ International in Köln trifft sich vom 20. bis 23. Februar 2018 die Dachdecker- und Zimmererbranche aus ganz Europa. Auf dem Messegelände der Domstadt zeigen rund 550 Aussteller ihre Neuheiten und Produkte. Weil es auch nach einem spannenden Messetag viel zu entdecken gibt, stellen wir einige sehenswerte Orte der Stadt vor.

Der Stadt Köln, mit etwas mehr als einer Millionen Einwohnern die viertgrößte Kommune Deutschlands, erging es den 1960/70er Jahren nicht anders als ihren Millionen-„Schwestern“ Berlin, Hamburg und München: Die damals gefragte Architektur aus funktionalem Beton verursachte Schäden am Stadtbild, die bis heute nicht behoben sind. Mit dem 1981 eingeweihten Fernmeldeturm Colonius und dem drei Jahre später eröffneten Rheinufertunnel fiel jedoch der Startschuss für eine Aufwertung der Innenstadt. Der alte Güterbahnhof wurde zum Mediapark, einem hauptsächlich für Medien konzipierten Gewerbepark. Der Rheinauhafen mit seinen markanten Kranbauten wurde zum Wohn-, Büro- und Gewerbegebiet umgestaltet. Mit dem Kölntriangle und den Oval Offices entstanden zwei exponierte Bürogebäude. Und es wird weiter gebaut an der Um- und Neugestaltung des Stadtbildes sowie des Lebens- und Arbeitsumfelds – nicht nur im großen Maßstab, sondern auch im Kleinen, eher Verborgenen, wie ein Spaziergang durch Köln zu handwerklich bemerkenswerten Bauprojekten der älteren und jüngsten Vergangenheit zeigt.

Manche Endlos-Baustellen wie Stuttgart 21 oder der Berliner Flughafen erregen seit Jahren die Gemüter. Doch Deutschlands wohl langwierigste Baustelle währte mehr als 600 Jahre und ist eigentlich noch immer in Betrieb. 1248 legte Erzbischof von Hochstaden den Grundstein für den Kölner Dom. Kriege, Machtkämpfe, Desinteresse und Geldmangel führten immer wieder zur Einstellung der Baumaßnahmen. Und so setzten erst am 15. Oktober 1880 Bauarbeiter den letzten Stein – in die Spitze des Südturms. Eigentlich ist er also seit gut 137 Jahren fertig, aber noch immer arbeiten zwischen 60 und 80 Handwerker an dem Weltkulturerbe, um es der Nachwelt zu erhalten. In der Tradition der mittelalterlichen Bauhütten sind zahlreiche Gewerke an den Arbeiten beteiligt. Die größte Gruppe bilden die Steinmetze und Bildhauer, denn die Erneuerung des durch Umwelteinflüsse verwitterten Steinwerks ist die Hauptaufgabe der Dombauhütte. Hinzu kommen Dachdecker, Gerüstbauer, Schreiner, Maler, Elektriker, Schlosser und Schmiede. Mit der Konservierung und Restaurierung der reichen Bestände an historischen Glasmalereien des Doms sind zehn Glasrestauratoren, Glasmaler und Kunstglaser befasst. Die Pflege und Instandsetzung aller Werke der Schatzkunst sind Aufgabe einer Goldschmiedin und eines  Silberschmieds. Die Dombauhütte – ein Betrieb, in dem seit dem Beginn des Spätmittelalters zu beobachten ist, was das Handwerk seit Jahrhunderten leistet.

Das neue städtebauliche Entree in das seit den 1970er Jahren bestehende HWK-Bildungszentrum Butzweilerhof bildet das TBZ Energie&Bau, der 2016 fertig gestellte Neubau der Handwerkskammer zu Köln in der Hugo-Eckener-Straße 16. Für die Umsetzung der Energieeffizienzziele und des behinderten und altersgerechten Bauens werden Betriebe und Handwerker gebraucht, die die Gebäudehülle dämmen, Dächer, Fenster und Türen erneuern, moderne Heizungsanlagen einbauen sowie intelligente Gebäudetechnik installieren und warten. Dementsprechend ist das neue Bildungszentrum auf einer Nutzfläche von 1235 Quadratmetern mit modernster Gebäudetechnik ausgestattet. Dort kann beispielsweise in innovativen Heizungstechnologien geschult werden. Zur Ausstattung gehören ein Blockheiz-Kraftwerk, eine Holzhackschnitzel-Heizung, ein Raum für die Wärmepumpe. Architekt Thomas Schmidt von der SSP AG in Bochum nennt den Neubau ein „Ausrufungszeichen“, der ein städtebauliches Signal setzen soll. Mit dem überhängenden stützenlosen Dach und den raumhohen Glasfenstern soll eine Verbindung zwischen dem Innenraum und Außenbereich geschaffen werden. Der Neubau wurde bereits mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet.

Nur wenige Minuten vom Dom entfernt befindet sich seit August 2016 das Steigenberger Hotel, in einem Haus mit einer denkmalgeschützten Fassade aus den 1960er Jahren. 23 Millionen Euro
sind in den siebenmonatigen Umbau gesteckt worden, in Ausstattung, Technik und in eine neue, zeitgemäße Innenarchitektur, die auf die Auflagen des Denkmalschutzes Rücksicht nehmen musste. Die Umgestaltung lag in Händen von Christiane May aus Köln-Ehrenfeld, die seit 15 Jahren auf die Einrichtung von Hotels spezialisiert ist. Vor allem im Erdgeschoss wurde, so die
Innenarchitektin, das Layout komplett erneuert: Lobby, Rezeption und Bar wurden zusammengelegt und mit viel Holz, Metall und Glas völlig neu gestaltet, immer aber an der Architektur der 1960er Jahre orientiert. Das Areal ist stadthistorisch von besonderer Bedeutung, denn hier stand vor dem Krieg die Kölner Oper. Nach deren Zerstörung und Neubau an anderer Stelle wurde ein
Neubau mit einer der ersten selbsttragenden Fassaden für das Bundesverwaltungsamt errichtet. Später gehörte das Gebäude viele Jahre der Provinzial Versicherung. 1987 eröffnete dort das Holiday Inn Crowne Plaza. In den folgenden Jahren wechselten immer wieder Besitzer und Betreiber, ein Hotel war es seither aber immer.

Nur etwa 500 Meter entfernt ist die Birken-Apotheke am Hohenstaufenring, in der bei der Neugestaltung des Verkaufs- und Beratungsraums auf Holzoptik Wert gelegt wurde. Die Bedien- und Beratungsplätze wurden vom Kölner Architekturbüro Carl E. Palm mit HPL-Platten (auf Basis thermohärtender Harze, homogen verstärkt mit Holzfasern) gestaltet und mit schmalen, formschönen Trennwänden abgeteilt. Die sieben Kassenplätze, eine Beratungsecke und ein Beratungsraum bieten pharmazeutische Betreuung in diskreter Atmosphäre. Um den Beschäftigten mehr Zeit für die Beratung von Kunden einzuräumen, wurden im Zuge der Umgestaltung die altgedienten Schubladenschränke durch zwei moderne, computergesteuerte Kommissionierautomaten ersetzt. Die Apotheke, die im April 1993 eröffnet wurde, feiert demnächst 25-jähriges Bestehen.

In der Kalscheurer Indianer-Siedlung, einem autonomen Wohnprojekt in Köln-Zollstock, entstand an einem kleinen Hang als Erweiterung einer alten Baracke das sogenannte Setzkastenhaus, ein ökologisches Holzdoppelhaus, entworfen von Gabor Schneider aus dem Büro satyam dervisha art & architecture in Burscheid. Das Haus ermöglicht ein Leben zwischen Wohn- und Gartenlandschaft, Natur und Kunst. Und es ist ein gutes Beispiel für eine Siedlung, die in einem idyllischen Dorf bei Burscheid (etwa 30 Kilometer nordöstlich von Köln) mit gut einem Dutzend Holzhäusern entstanden ist und ebenfalls von einem Team um den Architekten Schneider geplant wurde.

Noch interessanter ist allerdings die Indianersiedlung und ihre Geschichte, die in den 1920er Jahren beginnt. Der damalige Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer, später erster Bundeskanzler der Bundesrepublik, übergab zu diesem Zeitpunkt das Gelände zwischen dem Kölner Südfriedhof und den Bahngleisen kinderreichen Familien zur Besiedelung. In der folgenden Zeit wurde hier, so die Selbstbeschreibung der jetzigen Genossenschaft, „frei von allen Vorschriften gebaut und zwar aus allem, was zur Verfügung stand. Dabei entstand ein lockeres Dorf mit Wegen, deren Funktion eher denen von Hausfluren gleicht“. Von dem Projekt angezogen wurden Menschen aus allen Schichten, die sich ein Stück alternativen Lebensraum erobern wollten: Arbeiter und Akademiker, Handwerker und Künstler oder auch einfach Leute mit wenig Geld. Immer wieder drohten Abrisspläne, Pläne zur Friedhofserweiterung und der eventuelle Verkauf des Geländes an Spekulanten die Siedlung zu zerstören. Die Bewohner konnten dies aber immer wieder verhindern – und sind seit Anfang des Jahrtausends auf der sicheren Seite. Die Siedler gründeten 2001 eine Genossenschaft und kauften zwei Jahre später das Areal, auf dem ihre Häuser und Gärten stehen, dem bisherigen Eigentümer, der Deutschen Bahn, ab.

Zum Abschluss führt der Weg noch einmal zu einem Gotteshaus, das im Juni 2016 eröffnet wurde. Die Zentralmoschee in der Venloer Straße wird geprägt von einem Zusammenspiel aus Beton, Glas und Holz sowie von der transparenten Kuppel, die aus an Ort und Stelle gefertigten Betonteilen besteht und durch große Glasflächen dazwischen trotzdem leicht und luftig wirkt. Der 36 Meter hohe, rund 1.200 Besucher fassende Kuppelsaal ist das Herzstück der über großzügige Freitreppen zugänglichen Anlage. Die Kuppel ist durch zwei filigrane 55 Meter hohe Minarette eingefasst, um deren Höhe es längere Streitigkeiten gab. Sie messen etwa ein Drittel des 157 Meter hohen Doms, der in Köln nach wie vor das Maß aller Dinge ist. Seit rund 20 Jahren träumten die Mitglieder des deutschtürkischen Moscheeverbands Ditib, der seinen Bundessitz in Köln hat, von einem angemessenen Ort für religiöse, kulturelle und soziale Begegnung. Nach einem Architektenwettbewerb war 2009 Baubeginn im Stadtteil Ehrenfeld, die Eröffnung des von den renommierten Architekten Gottfried und Paul Böhm entworfenen Komplexes war für 2012 geplant. Die Fertigstellung des Zentrums mit Seminar- und Büroräumen sowie religiösen, kulturellen und sozialen Einrichtungen verzögerte sich aber unter anderem wegen Querelen um angebliche Baumängel. Um Kritik auch in der Bevölkerung zu begegnen, wiesen die Bauherren während der Bauphase immer wieder darauf hin, dass es bei dem Bau um eine Verbindung orientalischer Elemente mit einem modernen Islam, wie er ins weltoffene Köln passe, gehe. Als ein äußeres Zeichen dafür immer erwähnt: Deckenmedaillons mit arabischen Blattgoldinschriften, die unter
anderen Abraham, Mose, Noah und Jesus gewidmet sind – Persönlichkeiten, die für Christen wie für Juden und Muslime von Bedeutung sind.

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