Glasarchitektur für Großprojekte

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Auf dem FGS Campus in Bonn hat der Tageslichtexperte LAMILUX eine inspirierende Arbeitswelt geschaffen.

Die imposante Glasdach-Konstruktion des FGS Campus in Bonn ist ein echter Blickfang. Auf einer Fläche von 1700 Quadratmetern wurde der Innenhof des Gebäudekomplexes mit einem Tageslichtsystem architektonisch eindrucksvoll überdacht. In einer Höhe von 22 Metern musste dafür ein Aufbau mit Trägern von bis zu 40 Metern Länge montiert werden. Zu diesem Zweck wurden die Bauteile von einem 500-Tonnen-Mobilkran über die Gebäude hinweg gehoben. Für den Erfolg von Projekten dieses Umfangs ist es wichtig, dass die großen Trägersysteme und die aufgesetzte Glasarchitektur ideal aufeinander abgestimmt sind. Im Fall des FGS Campus war die enge Zusammenarbeit des Glas- und Stahlbauexperten MIROTEC mit dem Tageslichtsystem-Hersteller LAMILUX daher von großem Vorteil.

Wie die Flügel einer Windmühle sehen die vier Gebäudeflügel des FGS Campus in Bonn von oben aus. Den größten Teil des Bürokomplexes mit Ausstellungsbereichen, Cafés und Bibliotheken hat die Kanzlei Flick Gocke Schaumburg bezogen. Das Zentrum der Gebäude bildet der große Innenhof, ein Atrium, dessen Überdachung 2014 ausgeschrieben wurde. Bei den teilweise 40 Meter langen Stahlträgern ist eine Überhöhung von bis zu 21 Zentimetern eingeplant. Sie wurden von MIROTEC speziell für das Projekt angefertigt. „Jeder Träger ist ein Unikum mit unterschiedlichen Blechstärken und Überhöhungen“, erklärt Diplom-Ingenieur Ralf Löcken, der bei MIROTEC für die technische Projektabwicklung zuständig ist.

Damit das Dach auch bei extremen Temperaturen standhält, sind spezielle Gleitlager eingebaut. So wird sichergestellt, dass die Träger zum Beispiel bei einem Brand den Beton nicht auseinanderdrücken. Um die Längenausdehnung der Träger zu berechnen, wurden Heißbemessungen mit bis zu 300 Grad durchgeführt. Eine besondere Herausforderung stellte zudem der Transport der bis zu 26,4 Tonnen schweren Stahlträger und der 90 Meter langen Teleskop-Spitze des Mobilkrans dar. Für den Kran musste zunächst sogar ein Stellplatz ausgekoffert und geschottert werden, sodass alleine Auf- und Abbau des Fahrzeugs jeweils einen Tag in Anspruch nahmen.

Auf den Hauptträgern ist eine Aluminiumkonstruktion von LAMILUX aufgebaut. Das CI-System Glasarchitektur PR60 mit einem speziellen Pfosten-Riegelsystem ermöglicht architektonisch individuelle Formgebungen. Über dem Atrium des FGS Campus wurden zwölf PR60-Satteldächer verschiedener Größen in 22 Metern Höhe montiert. Da kein Raumgerüst aufgebaut werden konnte, wurden sie unter erhöhtem Aufwand mit einem Montagenetz angebracht. Die Satteldächer sorgen nun für einen großflächigen, angenehmen Tageslichteinfall über dem Innenhof. Die Aufsatzkonstruktion wurde in Einzelteilen angeliefert und vor Ort zusammenmontiert. Das PR60-System bietet eine sehr effiziente Belüftung der Glasfalze und eine kontrollierte Wasser- und Kondensatableitung. Mit einem sich überlappenden und ohne direkte Stöße konstruierten mehrstufigen Dichtungssystem in der inneren Dichtebene wird eine sichere Sekundärentwässerung ermöglicht. Die Dichtungsgummis wurden im Werk vorgeschnitten und an der Baustelle zusammengebaut.

Entwässerungsrinnen wurden von LAMILUX mit einem Gefälle so in die Stahlträger integriert, dass Regen- und Kondensatwasser über die Flachdächer der umgebenden Gebäude abgeleitet wird. Eine über ein Thermostat gesteuerte Rinnenheizung verhindert, dass Schnee oder Eis die Rinnen verstopft. Über den Rinnen wurden als letzter Schritt in die Stahlträger Gitterrost-Wartungsgänge eingebaut. Zusätzlich sind Anschlagpunkte zur Absturzsicherung an den Dachrändern und an den Rauchabzugsgeräten angebracht, damit auch die Flügel der RWA-Anlage gewartet werden können.

In das Dach sind neun Doppelklappen integriert, mit einer aerodynamisch wirksamen Rauchabzugsfläche von 3,39 Quadratmetern pro Stück. Sie sind Teil einer Rauch- und Wärmeabzugsanlage. Im Brandfall können so durch thermischen Auftrieb Rauch, Hitze und giftige Gase ins Freie geleitet werden. Bei nachströmender Frischluft bildet sich in Bodennähe dadurch eine raucharme Schicht, damit Menschen schnell ins Freie flüchten können und Rettungskräfte die notwendige Sicht für Löscharbeiten und Rettung von Brandopfern haben. Die Flügel können zum Lüften bis zu 90 Grad aufgefahren werden und das Glas des Daches ist für Reinigungs- und Wartungsarbeiten betretbar.

Für LAMILUX bedeutet der Zusammenschluss mit MIROTEC eine Erweiterung des Angebots für die Kunden. „Mit der Kombination aus den Stahlkonstruktionen vom MIROTEC und unserem PR60-System können wir größer bauen und auch Projekte wie den FGS Campus in Bonn aus einer Hand umsetzen“, sagt Diplom-Ingenieur Roland Schübel, der das Projekt auf der LAMILUX-Seite leitete. Seit der Fertigstellung im Sommer 2016 begeistert das 1,7 Millionen Euro Projekt im Zusammenspiel mit verglasten Innenfassaden und Freitreppen: Ein städtebaulicher Knotenpunkt mit inspirierender Wirkung für die Mitarbeiter und Besucher des FGS Campus Bonn.

Fotos wurden bereitgestellt von LAMILUX.

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