Das Erfolgskonzept hinter HÅG Capisco

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Möbeldesigner Peter Opsvik schafft die perfekte Symbiose aus Funktion, Design und Nachhaltigkeit

Müssen es wirklich traditionelle Möbel sein – oder welche anderen Möglichkeiten gibt es, gut zu sitzen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der norwegische Möbeldesigner Peter Opsvik. „Es gibt schon genug gutes skandinavisches Design“, so Opsvik. „Meine Sitzmöbel sind zweckmäßig und ergonomisch auf der einen Seite oder emotionell und expressionistisch auf der anderen Seite“.

Aktiv, kreativ und fit – auf lange Sicht

Der Schwerpunkt nahezu aller seiner Entwürfe ist das Thema „Sitzen“, das er in zahlreichen Facetten reflektiert. Wie der Mensch von seinem aktiven Leben zum permanent Sitzenden geworden ist und ob die klassische Form des Stuhls, konzipiert nach der konventionellen „westlichen“ Sitzhaltung, wirklich die einzig denkbare und funktionellste ist, ist zum Beispiel das Thema seines Nachschlagewerks „Sitzen – Anders betrachtet“ (Gaidaros-Verlag, 2008). Es propagiert nicht nur neue, andere Formen von Sitzmöbeln, sondern auch die Möglichkeit, sich auf diesen in allen Variationen zu bewegen, und dabei aktiv, kreativ und fit zu bleiben. Ein weiterer Punkt, der sich durch alle Arbeiten des Norwegers zieht, ist die Nachhaltigkeit. Damit ist nicht nur die Nutzung von nachwachsenden Materialien wie Holz oder von recycelten Werkstoffen gemeint, sondern auch die Langlebigkeit der Produkte.

Vom Tripp Trapp zu HÅG

Angefangen hat alles im Jahr 1972 mit dem Tripp Trapp. Das besondere an dem Hochstuhl: Er war der erste, der sich dem wachsenden Kind anpasst. Opsvik verfolgte so bereits Anfang der 70er-Jahre den Gedanken der Nachhaltigkeit – der Tripp Trapp ist als Stuhl für die gesamte Kindheit konzipiert und komplett aus Holz gefertigt und soll der Idee Opsviks zufolge noch an die folgenden Generationen weitergegeben werden. Das gilt auch für einige weitere seiner funktionalen Entwürfe, wie die Bürostuhlmarke HÅG, für die Opsvik seit 1975 Stühle entwirft. HÅG, heute eine Marke von Scandinavian Business Seating, gehörte zu den ersten Bürostuhlherstellern, die Mitte der 90er-Jahre mit Recyclingmaterialien produzierten und sich nach dem Umweltmanagementsystem ISO 14001 zertifizieren ließen. So spielt der Gedanke der Nachhaltigkeit nach wie vor eine große Rolle in der Unternehmensphilosophie – nicht zuletzt durch eine lange Lebensdauer der Produktlinien.

Viele Modelle – ein Prinzip

Der erste von Opsviks Entwürfen für HÅG war 1975 der HÅG 2010 Calypso, den das Unternehmen bis 1991 im Portfolio behielt. Als erster Bürostuhl hatte der HÅG 2010 einen verschiebbaren Sitz – heute ein Standard, damals war das ergonomische Feature noch eine Besonderheit und stellte eine ganz neue Form der Anpassung auf den Körper dar. Weitere Entwürfe für HÅG sind bereits seit Jahren bis heute im Portfolio, wie der HÅG Conventio Wing (2006), der nahezu vollständig aus recycelten Materialien besteht und dessen Rückenlehne sich auf eine besondere Art dem Körper anschmiegt. Mit der Balance-Technik im HÅG H05 (2000) führt Opsvik das Prinzip fort, das er in zahlreichen Entwürfen verfolgte. Die Idee hinter der Technik ist, dass sie auf jede Bewegung reagiert und der Nutzer somit ständig das Gleichgewicht halten muss – und sich dabei permanent bewegt.

Der Designklassiker von Opsvik

Darauf basiert auch die Mechanik des wohl bekanntesten Bürodrehstuhls, dem Sattelstuhl HÅG Capisco. Inspiriert von der Sitzhaltung der Reiter, die im Sattel leichter aufrecht sitzen, schuf Opsvik einen Bürodrehstuhl, auf dem der Nutzer nicht nur gerade sitzt, sondern durch die Balance-Mechanik auch ständig in Bewegung ist sowie dazu angeregt wird, so viele Sitzpositionen wie möglich einzunehmen. Vereinfacht wird das durch die Form des Stuhls: Die Rückenlehne und die Armlehnen unterstützen den Besitzer auch dann, wenn er rück- oder seitwärts auf dem Stuhl sitzt. Das Konzept des HÅG Capisco ergänzte Opsvik im Jahr 2010 mit einer neuen Variante, dem HÅG Capisco Puls; ebenfalls mit dem Prinzip des Sattelsitzes, aber in leichterer Form, komplett aus Kunststoff mit so wenig Materialien wie nötig gefertigt – ganz dem Gedanken der Nachhaltigkeit folgend.

Von Oslo in unzählige Büros und Wohnhäuser

Seit 1970 ist Opsvik als freischaffender Designer tätig und arbeitet heute mit sieben weiteren Designern in seinem Osloer Studio. Mit dem Fokus auf eine alltagsgerechte Produktgestaltung konzentriert sich das Studio rund um Opsvik auf Möbel- und Interior Design, Ergonomie, umweltorientierte Lösungen, Engineering und Kommunikation. Die Entwürfe sind teils unabhängige Arbeiten, teils entstehen sie in über Jahrzehnte bestehenden Kooperationen mit namhaften Herstellern. So feierte der HÅG Capisco im letzten Jahr bereits seinen 30. Geburtstag. Den Nachhaltigkeits-Check hat der Stuhl damit wohl bestanden – er steht bis heute an unzähligen Arbeitsplätzen in Büros sowie zu Hause und erinnert seinen Nutzer daran, dass Sitzen auch anders geht.

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